Ich lebe es auf der AnderenSchon vor einiger Zeit wurden wir von “Elmar” auf den Beitrag vom Werbeblogger aufmerksam gemacht, wo die aktuelle Südtirol-Plakat-Kampagne zitiert wird. Dabei ging es um die Frage der unvermeidbaren Plagiate. Man fragte sich ob “Ich lebe es” eigentlich von “Ich liebe es” abgekupfert wurde. Wie ich auch schon damals angemerkt habe, geht diese Ähnlichkeit eher durch die Verkürzung ans Tageslicht. Ich muß auch zugeben, daß der Slogan nicht verkehrt ist, da es eine Haltung zum Ausdruck bringt. Wer in Südtirol Urlaub macht “lebt” die gleichen Werte wie wir im Bezug auf Umwelt, Natur, verträglichen Tourismus usw. In idealisierter Form der Werbung leben wir ja auch alle diese Werte. Es zeugt auch von einem Anspruch an die Gäste, nicht für jeden etwas, sondern nur für die, die auch wissen was hier bekommen.

Überrascht hat mich die Kampagne aber hier in unserem Landl. Erstens glaubte ich, daß die Kampagne nur im deutschsprachigemIo ci vivo auf der einen Seite Ausland geschaltet wird und Zweitens, daß für den italienischen Markt eine eigene Kampagne erstellt würde, oder zumindest die Übersetzung sinngemäß erfolgen würde. Aber beides ist nicht der Fall. Die Kampagne ist jetzt auch an den neuen Bushaltestellen zu sehen und die Übersetzung ist eher ein Hohn als eine Werbung.

“Io ci vivo!” steht auf dem Plakat und heißt eigentlich “Ich lebe hier!”. Spontan würde ich den Satz noch um “e tu no” erweitern wollen. Denn genau so klingt es. Da kommt einen vor es soll unterschwellig der Satz vermittelt werden “Komm noch nach Südtirol und schau mal wie wir es gut haben.” Das war wohl nicht der Sinn der Sache. Um die gleichen Werte zu vermitteln hätte ein “Io lo vivo” gereicht.

Auch diese Headline hätte nicht alles Erklärt, aber dafür gibt es ja normalerweise den Text (Fachsprache Copy) in dem der Titel aufgelöst wird. Aber halt, die Plakate haben ja gar keinen Text. Na ja liebe SMG, wieder eine Chance verpasst, wieder ein bißchen Geld verprasst.



Da wird aus einem Kommentar doch noch ein Beitrag, Da schreibt ein Autor der Welt über ein Buch über Logos und zitiert die Südtiroler Dachmarke und schon ist das ein gefundenes Fressen für die Tageszeitung. In der südtiroler Blogszene (uns eingeschlossen) gibt es das erwartete Echo, die anderen Medien habe ich jetzt nicht recherchiert, aber da wird’s sicher auf rund gehen. Da wollen wir uns nicht zurückhalten ;-) >>Weiterlesen>>



Immer wieder kann man lesen, dass die Tourismustreibenden auf den hochwertigen Besucher setzen sollen. Die Qualität soll stimmen und die Schnäppchenjäger sollen nach Mallorca fliegen. Der Massentourismus soll eingedämmt werden, die Busse voll mit Ich-Schmier-Mir-Mein-Mittag-Am-Frühstückstisch-Gäste sollen gutbetuchten und kultivierten Ich-Lass-Es-Mir-Gutgehen weichen. Da müssen die Rahmenbedingungen auch stimmen. Da muss Kultur her.

Maria JoaoIn den letzten Jahren hat sich auch einiges getan. Ein Beispiel dafür sind die Meraner Musikwochen. Die gibt es schon eine ganze Weile und die Qualität muss sich hinter anderen vergleichbaren Veranstaltungen in ganz Europa nicht verstecken. Dieses Jahr waren The Netherland Philharmonic Orchestra, das Russian National Orchestra, das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Royal Philharmonic Orchestra London und Thomas Quasthoff & Maria Joao um einige zu nennen dabei. Da würden man meinen, dass unsere SMG sicher auch Ihre Hände im Spiel hat. Der Vermarktungswert ist ja nicht unerheblich. Das Land wird sicherlich auch als Sponsor auftreten, den Glamour der Hochkultur aufsaugen. Aber nein, die Wirtschaft sponsert das Festival. Allen voran eine Bank und ein deutscher Autohersteller.

Ok, man könnte meinen, dass die Südtiroler Landesregierung keine internationalen Musik-Events finanzieren will. Aber weit gefehlt, wie wir in einer offiziellen Pressemitteilung vom 10. September lesen können:

GRAND PRIX DER VOLKSMUSIK
Angesichts der Finanzknappheit des Senders Bozen der Rai wird das Land in die Bresche springen, um die Ausstrahlung des Grand Prix’ der Volksmusik aus Südtirol im Jahre 2009 zu ermöglichen. “Über unsere Haushaltskapitel Fremdenverkehr und Marke werden wir 150.000 bis 180.000 Euro zur Verfügung stellen, um die 200.000 bis 220.000 Euro teure Veranstaltung mitzufinanzieren”, so der Landeshauptmann. Ausschlaggebend für die Entscheidung war die Werbewirksamkeit der Sendung, die von Millionen Zuschauern in Österreich, der Schweiz, Deutschland und Südtirol verfolgt wird.

Werbewirksam wird die Sendung schon sein, und die Reichweite ist auch beachtlich, wenn man sonstige Werbeausgaben im Fernsehen betrachtet. Aber ist das die Zielgruppe die wir uns wünschen? Ich will ja nicht die Liebhaber der Volkstümlichen Musik verunglimpfen, aber wenn wir von dem Heile Welt, Schatz Putzi Mausi Image weg wollen müssen wir auch dementsprechend auftreten.



Dachmarken sind etwas Gutes und vor allem treten sie inflationär auf. Besonders im Tourismus bieten sich Dachmarken an[A], wohl auch deshalb hat auch Italien jetzt eine geschaffen[B]. Doch wie es so mit der Tourismus Werbung so ist, finden wir auch hier eine Ungereimtheiten. Um etwas genauer zu werden, Über Südtirol wird wieder mal etwas komisch berichtet. Auf dem Blog „Una voce dal Sudtirolo“ findet Ihr eine gute Analyse, die aufzeigt, dass Werbung machen genau so gute Recherche braucht, wie Journalismus.

PS: Wer schickt den Link an die SMG, damit die hier mal wieder trommeln können?

Update: Auch noch sehr informative Analyse findet Ihr hier bei Brennerbasisdemokratie.



Fußnoten

  1. über die Südtiroler Dachmarke möchte ich erst gar nicht anfangen zu diskutieren...torna
  2. und eine extra Italia S.p.A. auch...torna


suedtirol ist schoen

Manchmal kommen auch andere auf gute Ideen, nicht nur wir ;-)
Aber Spass bei Seite. Die Website „Südtirol ist schön“ verarbeitet auf satirische Weise die Tourismuswerbung Südtirols. Und ganz nach dem Motto, nur echtes aus Südtirol, können wir eine gewisse Seelen-Verwandtschaft zu Ihnen erkennen.


http://www.suedtirol-ist-schoen.eu

Eine Notiz an die SMG – Falls Ihr was gegen eine Persiflage habt und die Seite zwingt die Sachen runterzunehmen ist euch nicht zu helfen.



Mit diesem famosen Ausspruch hat Andreas Hofer seine Mannen zum Kampf gegen die Franzosen/Bayern aufgerufen, die unser schönes Land Tirol besetzt hielten. Nun ganz so schlimm stehts um Südtirol zur Zeit nicht, aber zumindest wird das Bild von Südtirol schon sehr stark von Stereotypen beherrscht. Und diese Herrschaft werden wir untergraben.

In diesem Blog werden wir zeigen, wie es sich so lebt in Südtirol, mit allen positiven wie negativen Seiten. Für alle die hier schon leben, die hierher ziehen, oder die hier Urlaub machen wollen. Und um ein echtes Bild zu geben wird es auch italienische Beiträge geben.

Sodann, lassen wir es angehen.