19 Feb 2008
Der liebe Müll ist nicht erst seit den Ereignissen in Neapel ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Die “Termovalorizzatori”, wie sie in Italien gerne genannte werden, scheinen oft als Allheilmittel angepriesen zu werden. Im deutschen Sprachgebrauch ist “Müllverbrennungsanlage” weiter verbreitet und trifft das Thema auch präziser. Denn wenn man etwas verbrennt entstehen Rückstände (Rauch und Asche wie jeder weiß), wenn man etwas “aufwertet” (valorizzare) erwartet man sich nicht dass man weniger herausbekommt, als man hineinsteckt.
Jenseits dieser Namensproblematik ist das Müllproblem sehr komplex. Die Einführung von Mülltrennung usw. dauert nicht nur wegen bürokratischer und politischer Hürden oft lange, auch dasBewußtsein der Bevölkerung trägt dazu bei, das nicht immer das richtige getan wird. Man versucht also das Problem herunterzubrechen und zu vereinfachen, damit es auch alle Verstehen. Und hier passiert dann oft, dass man so vereinfacht, dass es ins eigene Konzept passt. Je nachdem ob man für eine gewisse Strategie ist oder dagegen.
Ein solches Beispiel ist der folgende Film, der anscheinend ein Mitschnitt einer Sendung von Beppe Grillo ist. Da werden dann Zahlen so gekürzt, dass aus 1t Abfall 2t werden und Aussagen aus dem Kontext gerissen. Es werden Recyclingzahlen mit den Zahlen derverbrannten Abfälle zusammengebracht, bei denen man nicht weiß woher sie kommen, noch ob es stimmt, dass die recycelten Abfälle wirklich in der Müllverbrennung landen oder nicht. Außerdem werden zwei komplett unterschiedliche Themen (Klimahaus und Müllverbrennung) zusammengebracht um es reißerischer zu machen. Es fehlt also anSeriösität.
Zu Gute halten können wir aber dem Film, dass er gewisse Denkanstöße gibt. Es wird mehr Transparenz benötigt, damit man die Zusammenhänge erkennt und sich eine neutrale Meinung bilden kann. Wenn man erkennen kann wieviel Müll produziert wird, was damit geschieht und was man damit machen könnte, ist es einfacher gewisse Entscheidungen mitzutragen oder eben nicht. Außerdem eröffnet man so auch den Blick auf alternativen. In Ostdeutschland sind einige Bundesländer z.B. nicht dem “Grünen Punkt”, demMülltrennungsdebakel in Deutschland, beigetreten, sondern haben auf neue Technik gesetzt. Dort wird nichts zu Hause getrennt, sondern automatisch und zentralisiert. Das Resultat, höhere Recyclingquoten und eine günstigere Infrastruktur (mehr zu diesem Thema folgt demnächst).