Gefunden, gelesen, gut befunden, weitergegeben:



In den letzten Jahren gibt es immer mehr Spasspartein (echte als auch fiktive), die das politische System auf den Arm nehmen. Nicht nur in Italien, wo die nächsten Wahlen schon bald anstehen, und nicht nur auf nationaler Ebene[A].

Als Beispiel hierfür steht zum Beispiel die Kandidatur von Herrn Grissemann bei den Landtagswahlen in Niederösterreich mit seiner ICH-Partei. Er wurde jetzt ausgeschlossen, nachdem er bei einer Pressestunde sein Programm vorgestellt hat. Dabei hat er natürlich eine extreme Haltung an den Tag gelegt, aber so mancher etablierter Politiker würde mit solchen Aussagen durchaus durchkommen.

In Italien ist das Phänomen “ich gründe halt meine eigene Partei” ja politischer Alltag und mit ein Grund für die Misere in der wir stecken. Und gemäß diesem Motto haben auch einige Moderatoren von RadioDeejay ihre Partei gegründet, die ” Ketty Metti“. Wenn man das Programm liest erkennt man zwar sofort, dass dies nicht ganz ernst gemeint sein kann, aber einige Punkte sind nicht ganz Weltfremd.

- istituzione di un corpo di polizia del “bel costume” che reprima il cattivo gusto
- telefonini, messaggini e connessioni internet a costi ridotti
- scambi culturali, sociali e “fisici” tra nord, centro e sud e con altri paesi (il c.d. “programma Orgasmus”) volti all’integrazione sia nazionale che internazionale

Man sollte mal versuchen, die echten Programme der Parteien ebenso mit einem schmunzeln zu lesen, nachdem diese ja auch nicht ernst gemeint sein können, wenn man die politische Realität beobachtet. Unmögliches wird versprochen und natürlich auch nicht umgesetzt. DieseSpassparteien sind also nicht nur eine Karikatur des politischen Systems, sondern auch ein Zeichen dafür, dass es durchschaut werden kann.

Den Sprung aber von diesem durchschauen zu einem umdenken und einem geänderten Wahlverhalten fehlt oft. Oft auch aus Mangel an Alternativen. Wir würden uns mehr Bürgerlisten wünschen - auch auf nationaler Ebene. Sozusagen als “echte Vertreter des Volkes aus dem Volk”.



Fußnoten

  1. erinnern wir uns an die Bürgermeisterwahl in Bozen...torna



16:9 LogoMan kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass das digitale terrestrische Fernsehen umbedingt notwendig ist. Ein Fortschritt ohne den wir nicht Auskommen und der unseren Fernsehkonsum revolutionieren wird. Aber trotz scheinbarer Innovation ist besonders das Fernsehen, besonders in Italien, eine Wirtschaft welche sich sehr konservativ und langsam entwickelt. Dies hat viele Gründe und einige wollen wir am Beispiel DVB-T aufzeigen.

Warum digitalisiert man das Fernsehen?
Um es kurz zu machen. Damit man Pay-TV auch ohne Sat-Schüssel verkaufen kann. Man kann nämlich mit DVB-T mehr Kanäle senden und die neuen Pay-Per-View[A] sind erst seit der digitalen Technik möglich. Die ganzen Argumente, dass es besseren Empfang usw. kann man sich sparen. Auch dass die Kosten für die Sendeanstalten zurückgehen kümmern uns Konsumenten wenig. Auch, dass man DVB-T für mobile Applikationen verwenden kann (sozusagen im Zug) ist kein Vorteil gegenüber dem analogen System.

Die versprochenen Mehrkanäle können natürlich nicht mit der Vielfalt der Sat-Angebote mithalten und wenn man bedenkt, dass man einen neuen Empfänger kaufen muss um praktisch keine Verbesserung der Dienste zu haben grenzt das schon an …

Aber es geht doch um den technischen Fortschritt?
Dass es nicht darum geht kann man an einem anderen Beispiel zeigen. Das Bildformat 16:9. Wir kennen alle die schwarzen Balken die erscheinen wenn man einen Film im Fernsehen anschaut. Filme werden seit Jahrzehnten im Breitbildformat gefilmt und passen deshalb nicht richtig in den Standard-Fernsehschirm (der 4:3 ist). Schon Anfang der 90er wurde deshalb der 16:9 Standard definiert. In der analogen Fernsehwelt gab es deshalb PalPlus, welches sich aber nicht durchsetzen konnte. Wer also einen Breitbildfernseher hatte, um Filme besser zu sehen, konnte dies nur mit DVDs machen, denn die Sendungen wurden immer 4:3 ausgestrahlt. Wir reden hier noch von Röhrenbildschirmen im Breitbildformat, die es schon seit über 10 Jahren gibt. Man konnte zwar das Fernsehbild anpassen, verlor dabei aber jegliche Schärfe.

Mit dem Einzug des digitalen Fernsehempfangs (zuerst via Satellit und jetzt FreetoAir) hat sich die Situation nicht geändert. Das italienische Fernsehen strahlt weiterhin in 4:3 aus, auch wenn sie Material haben, das im 16:9 Format produziert wurde. Akut zu bemerken ist das durch die vielen neuen LCD- und Plasmaschirme die verkauft werden und die alle das Breitbildformat verwenden. Wenn die Sender 16:9 richtig senden würden, würde nicht nur der Bildschirm voll ausgenützt (wie wenn man das Bild anpasst), sondern man hätte auch keine Qualitätseinbußen.

Und das vielbesprochene HDTV?
DVB-T ist nicht für HDTV ausgelegt. Seit 2006 definiert man für Europa den Standard. Dafür braucht es dann wieder neue Geräte und die Anzahl der Kanäle würde sich wieder halbiere. Das kann man vergessen, man führt ja die neue Technik wegen der höheren Senderanzahl ein. Es gab zwar Experimente zur Olympiade in Turin, aber sehr viel tut sich da nicht. Eine gute Zusammenfassung des steinigen Weges des HDTVs in Italien bekommt man bei Wikipedia.

Fazit
Wir sehen, dass die Fernsehanstalten Innovationen so lange wie möglich versuchen hinauszuzögern. Besonders die privaten Fernsehsender suchen die Innovation nur, wenn sie eine Möglichkeit sehen mit wenig Aufwand Mehreinnahmen zu generieren. Die staatlichen Sender (besonders in Deutschland und Österreich) sind da die Vorreiter und sind eher darauf aus auch Qualität an den zahlenden Kunden zu bringen. Wir haben also das Glück auf diese Produktionen zurückgreifen zu können. Wer sich im jetzt also einen neuen Flachbildschirm kauft sollte sich im Klaren sein, dass er etwas für die Zukunft kauft. Nicht nur im Bezug auf HDTV sondern auch das normale Fernsehbild macht nur Spass, wenn man über DVB_T oder Satellit die deutschen Sender schaut. Außer natürlich man mag unscharfe und verzerrte Bilder ;-)



Fußnoten

  1. Einzeln bestellbare Angebote ohne Abbonement...torna


Der liebe Müll ist nicht erst seit den Ereignissen in Neapel ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Die “Termovalorizzatori”, wie sie in Italien gerne genannte werden, scheinen oft als Allheilmittel angepriesen zu werden. Im deutschen Sprachgebrauch ist “Müllverbrennungsanlage” weiter verbreitet und trifft das Thema auch präziser. Denn wenn man etwas verbrennt entstehen Rückstände (Rauch und Asche wie jeder weiß), wenn man etwas “aufwertet” (valorizzare) erwartet man sich nicht dass man weniger herausbekommt, als man hineinsteckt.

Jenseits dieser Namensproblematik ist das Müllproblem sehr komplex. Die Einführung von Mülltrennung usw. dauert nicht nur wegen bürokratischer und politischer Hürden oft lange, auch dasBewußtsein der Bevölkerung trägt dazu bei, das nicht immer das richtige getan wird. Man versucht also das Problem herunterzubrechen und zu vereinfachen, damit es auch alle Verstehen. Und hier passiert dann oft, dass man so vereinfacht, dass es ins eigene Konzept passt. Je nachdem ob man für eine gewisse Strategie ist oder dagegen.

Ein solches Beispiel ist der folgende Film, der anscheinend ein Mitschnitt einer Sendung von Beppe Grillo ist. Da werden dann Zahlen so gekürzt, dass aus 1t Abfall 2t werden und Aussagen aus dem Kontext gerissen. Es werden Recyclingzahlen mit den Zahlen derverbrannten Abfälle zusammengebracht, bei denen man nicht weiß woher sie kommen, noch ob es stimmt, dass die recycelten Abfälle wirklich in der Müllverbrennung landen oder nicht. Außerdem werden zwei komplett unterschiedliche Themen (Klimahaus und Müllverbrennung) zusammengebracht um es reißerischer zu machen. Es fehlt also anSeriösität.

Zu Gute halten können wir aber dem Film, dass er gewisse Denkanstöße gibt. Es wird mehr Transparenz benötigt, damit man die Zusammenhänge erkennt und sich eine neutrale Meinung bilden kann. Wenn man erkennen kann wieviel Müll produziert wird, was damit geschieht und was man damit machen könnte, ist es einfacher gewisse Entscheidungen mitzutragen oder eben nicht. Außerdem eröffnet man so auch den Blick auf alternativen. In Ostdeutschland sind einige Bundesländer z.B. nicht dem “Grünen Punkt”, demMülltrennungsdebakel in Deutschland, beigetreten, sondern haben auf neue Technik gesetzt. Dort wird nichts zu Hause getrennt, sondern automatisch und zentralisiert. Das Resultat, höhere Recyclingquoten und eine günstigere Infrastruktur (mehr zu diesem Thema folgt demnächst).



Die Kirche von Pomarico Matera
dann kann er was erleben! So heisst doch der schöne Spruch und ist auch wahr! Die betreffende Reise liegt zwar schon einige Monate zurück aber es wollte sich nicht die rechte Muße einstellen. Spaghetti-mit-Knödel-Bezug? Ganz einfach, vor vielen, vielen Jahren gab es doch in den späten 50ern eine große Einreisewelle aus Süditalien nach Südtirol. Über die politischen Hintergründe derselben ist ja schon viel Tinte geflossen. Was aber am großen bzw. kleinen Tisch der Weltgeschichte gern vergessen wird, daß hinter solchen Bewegungen immer Menschen stehen, Einzelschicksale auf der Suche nach … Glück …. Geld Arbeit usw.!

Diese Menschen leben seit Jahrzehnten in allen Ecken Europas, denn nicht zu vergessen auch das Wirtschaftswunderland Deutschland hat viele süditalienische Auswanderer dieser Zeit aufgefangen.

Wir haben andhand einer Person versucht die Reise mal “umzudrehen” und mit ihr in sein Heimatdorf zurückzukehren. >>Weiterlesen>>



Paragrafen sind nicht immer VollkommenÜberall kann man es lesen. Die italienische Blogger-Szene schreibt sich den Frust vom Leib. Von Zensur, von einem undemokratischen Staat und noch viel mehr ist die Rede. Es hallt nicht nur durchs Internet, auch in der Offline-Welt und bis ins Parlament dringt der Unmut durch. Aber ist das alles nötig? Der Minister versucht zu beschwichtigen und verweist auf dieRegulierungsbehörde . Parlamentarier erkennen die Gunst der Stunde und appellieren lautstark und heute wurde ein Zusatzkomma vorgestellt, welches Veröffentlichungen ohne Unternehmerischen Hintergrund von der Pflicht befreit.

Es gibt aber doch einige Dinge über die sich die Blogger im Klaren sein sollten. Grundsätzlich sind wir für das Gesetz und gegen Zensur. Wir sind auch dafür, dass sich Blogger darüber im Klaren sind,daß das Internet nicht ein Rechtsfreier Raum ist und daß eine Regulierung nicht gleich zu setzen ist mit einer Zensur. Internetseiten, welche Redakteure und Journalisten verpflichten, müssen unserer Meinung nach registriert werden um die Arbeitnehmerverhältnis der Mitarbeiter zu regeln. Anderen angehenden Publizisten (und damit meine ich auch Blogger) muss es weiterhin möglich sein Inhalte zu publizieren, aber auch deren Arbeit soll geschützt werden. Also plädieren wir für die Abschaffung des “Albo dei giornalisti”. Warum das auch Blogger interessieren sollte, welche keine Journalisten sein wollen haben wir ausführlichst erörtert. >>Weiterlesen>>



Blöder SchurzHat jemand von euch Lesern schon mal versucht den Begriff Heimat jemanden zu erklären, der nicht deutsch spricht. Egal ob es jetzt ein italienisch sprechender Mitbürger ist oder jemand, der aus dem Ausland kommt. Es wird schwierig. In vielen Sprachen findet unsere Definition der Herkunft bzw. des Ortes wo man sich „behoamatet“ fühlt keine Entsprechung. Da ist das Konzept eher auf das Land/Staat bezogen aus dem man kommt. Yoda, hat in seinem Blog, seine Leser aufgerufen Ihren Heimatbegriff zu veröffentlichen, wir deutschsprachige Südtiroler haben es diesbezüglich zweifach leicht.

Erstens sind wir eine sprachliche Minderheit im Staate Italien. Deshalb fühlen wir Heimat eher dort, wo unsere Sprache gesprochen wird. Zweitens unterstützt unser Kirchturmdenken natürlich sehr die Einschränkung seiner Herkunft auf ein kleines Gebiet – ob es nun ein geographisches ist oder ein emotionales[A] spielt meiner Meinung nach keine Rolle.

Was für uns aber durchaus wichtig ist, glaub ich, ist die Tatsache dass wir in einer Landschaft leben, welche Eindruck hinterlässt. Auch auf uns, die wir glauben, dass wir uns daran gewöhnt haben. Wer für längere Zeit[B] Südtirol verlassen hat und die Berge wieder sieht, den erfüllt ein besonderes Gefühl. Man meint fast etwas wiedergefunden zu haben, von dem man gar nicht wusste dass man es verloren hatte. So fühlt sich Heimat an.

Manch einer meint natürlich, dass man dieses Gefühl instrumentalisieren kann. Vielleicht fühlt man sich auch deshalb oft etwas befremdlich, wenn man auf manchem Leibchen geschrieben steht: „Dem Land Tirol die ewige Treue“. Das geht mir zu weit, meine Heimat gehört mir und die kann mir auch niemand nehmen. Aber es braucht mir auch niemand zu sagen, was oder wo meine Heimat ist.



Fußnoten

  1. sprich nur die Familie und besten Freunde...torna
  2. nicht nur zwei Wochen Urlaub...torna


…zumindest seit 80 Jahren. Wir wollen hier ja nicht viel politisieren. Das machen andere sicher besser, aber ich möchte mal ein paar Standpunkte verteten und ein wenig bissig sein. Über die Plakat-Aktion der Südtiroler Freiheit  haben viele geschrieben, und noch viel mehr geredet. Besonders gut hat uns dieser Beitrag bei Brennerbasisdemokratie gefallen. Die Kommentare sind zwar wieder mal länger geraten als der Beitrag, aber das gehöhrt sich wahrscheinlich so.

Aber mir gefällt der Abschluss des Beitrages. Ist es nicht endlich an der Zeit mal einen Punkt zu machen und nach Vorne zu schauen. Beide Seiten, damit wir eine Seite werden. Nach wievielen Generationen ist es denn endlich soweit dass sich die Namen der Orte historisch anerkannt werden. Es war sicher Notwendig sich gegen eine Unterdrückung unserer Identität und Sprache zu wehren, dass haben wir auch erfolgreich getan, aber wir müssen jetzt nichts „zurückbauen“. Außerdem sollte es doch endlich möglich sein, dass auch die zweite Sprachgruppe sich auf die Hinterbeine stellt und auch auf die andere Sprachgruppe zugeht. Den Status Quo festigen, die Bedürfnisse der jeweiligen Sprachgruppen analysieren und Maßnahmen ergreifen, damit der „disagio“ vergeht und man in Zukunft auf eine gemeinsame Vergangenheit zurückblicken kann.



Dachmarken sind etwas Gutes und vor allem treten sie inflationär auf. Besonders im Tourismus bieten sich Dachmarken an[A], wohl auch deshalb hat auch Italien jetzt eine geschaffen[B]. Doch wie es so mit der Tourismus Werbung so ist, finden wir auch hier eine Ungereimtheiten. Um etwas genauer zu werden, Über Südtirol wird wieder mal etwas komisch berichtet. Auf dem Blog „Una voce dal Sudtirolo“ findet Ihr eine gute Analyse, die aufzeigt, dass Werbung machen genau so gute Recherche braucht, wie Journalismus.

PS: Wer schickt den Link an die SMG, damit die hier mal wieder trommeln können?

Update: Auch noch sehr informative Analyse findet Ihr hier bei Brennerbasisdemokratie.



Fußnoten

  1. über die Südtiroler Dachmarke möchte ich erst gar nicht anfangen zu diskutieren...torna
  2. und eine extra Italia S.p.A. auch...torna