No more alcoholWie wir schon im vorherigen Teil angekündigt haben, werden wir in diesem Teil unserer Serie auf ein paar Standardsprüche antworten. Beziehungsweise uns ein paar Gedanken zu diesen Sprüchen machen die immer wieder die Runde machen. Besonders seit der Einführung der neuen Verkehrsordnung geht das Sprüche klopfen kräftig weiter, und so mancher Politiker macht in Vor-Wahlkampfzeiten auch gerne mit.

Als Auftakt möchte ich einen Auszug aus einer ASTAT Studie zitieren, der die folgenden Aussagen umso verständlicher macht.

89,9 Prozent aller Befragten sind mit ihrem eigenen Trinkverhalten zufrieden und möchten nichts daran ändern.

Nachdem wir alle wissen, dass hierzulande nicht gerade mit dem Alkohol gespart wird, gibt das schon zu denken. Und hier nun unsere Top 3 der bewährtesten Sprüche.

„Die Regierung will uns nur abzocken und schikanieren.“
Da unterstellt man der Regierung Böswilligkeit. Das finde ich übertrieben, denn Regierungen können unfähig, träge, populistisch usw. sein, aber böswillig? Besonders sollte man bedenken, dass es eine einfache Lösung gibt den Strafen aus dem Weg zu gehen. Nicht betrunken am Straßenverkehr teilzunehmen. Einfacher geht’s nicht. Da können Strafen winken die noch so übertrieben sind, wenn man sich an die Regel hält sind sie hinfällig.

„Es gibt Situationen da muss man Alkohol trinken.“
Über den sozialen Druck der Gruppe usw. kann man lange Diskutieren und wir wollen hier niemanden verunglimpfen der es nicht schafft sich dem zu widersetzen. Man sollte es aber einfach mal versuchen. Kommt es dann aber trotzdem zum wiederholten Konsum und man ist laut Gesetz nicht mehr fahrtüchtig, dann muss man halt das Fahrzeug stehen lassen. Alle Begründungen trotzdem zu fahren, entspringen der Faulheit oder zumindest dem Unvermögen sich im vornherein über die Konsequenzen seines Handels bewusst zu werden.

„Dass kein Alkohol mehr ab 2:00 Uhr morgens ausgeschenkt wird beschneidet meine Freiheit.“
Ja, das ist war. Wenn Regeln aufgestellt werden ist es normal, dass nicht mehr alles erlaubt ist. Meistens wird ein Kompromiss geschlossen welcher die Beschneidung der Rechte mit den Vorteilen abwiegt. Ich finde es sehr lustig, dass sich über diese Regelung auch Leute aufregen, welche nie um 2:00 Uhr noch unterwegs sind. Sind wir mal ehrlich. Der überwiegende Teil der Nachtschwärmer geht schon vom Pub/Bar direkt nach Hause – und diese schließen spätestens um 2:00 Uhr. Diese langen Öffnungszeiten dieser Lokale haben in den letzten zehn Jahren das Verhalten der Besucher derart verändert, dass die Anzahl der Lokale welche längere Öffnungszeiten haben, vor allem Diskotheken und Nachtclubs massiv zurückgegangen sind. Es werden also die Rechte einer sehr kleinen Gruppe beschnitten. Das Gegenargument, dass die Regelung nicht das Alkoholproblem löst ist fadenscheinig, denn eine einzelne Maßnahme wird das nie vermögen. Es braucht mehrere Ansätze welche den Situationen gerecht werden. Und eine dieser besonderen Situationen sind die Disko-Besucher.

Statistisch gesehen sind sie eher jung und über die Mündigkeit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen kann man sich an anderer Stelle unterhalten. Wir wollen jetzt nicht alle über einen Kamm scheren, aber man sollte die Jugend unterstützen wo man kann, vor allem rechtzeitig mit dem Saufen aufzuhören.



Topolino goes LodenDer Samstag Vormittag ist für Büroangestellte vor allem für 3 Dinge gut: 1) das erste mal in der Woche ausschlafen, 2) Aufräumen, putzen usw., 3) Eine Runde in die Stadt fahren. Und besonders die Runde in der „Stadt“ Bozen kann mit einigen Überraschungen aufwarten.

Topolino goes still LodenIrgendwie gibt es in Bozen immer was Neues, und doch bleibt alles beim Alten. Da sieht man Autos die von einem Lodenhersteller aufgemotzt wurden, sogenanntes Kuscheltuning, Touristen welche eifrig den Obstmarkt fotografieren, Schüler, welche zur Mittagszeit zum Zug rennen um rechtzeitig nach Hause zu kommen. Besonders freut es uns, dass zwei Institutionen weiterhin regen Zuspruch haben, die Osteria Carretai und die Eisdiele Avalon.

Carretai - Die StraßeCarretai, in der Dr. Streitergasse, ist besonders am Samstag Morgen eine Show für sich. Der Renner dieser Häppchen[A] Bar ist sicherlich der Tartar. Wenn mich nicht alles täuscht gehen da 20 Kilo am Samstag über die Ladentheke. Die Leute drängen sich im kleinen Lokal und stehen natürlich auch prächtig auf der Straße herum, jonglierend zwischen Teller, Häppchen, Weinglas und Zigarette. Von der Sarner Bäurin, über Schülern, Angestellten und sogar Bozner „Weisch“-Frauen ist alles vertreten und frönt den Leckereien. Bezahlt wird erst am Ende und nach Stückzahl, Wein und Häppchen kosten gleich viel, da ist die schwierigste Aufgabe des Kunden, den Überblick über die konsumierten Freuden zu behalten.

 

Carretai - Tartine Casrretai

Über die Eisdiele Avalon in der Freiheitsstraße wurde ja schon öfter in den Medien berichtet. Der Meister verarbeitet nur echtes Obst, deren Herkunft angegeben wird. Keine Zusatzstoffe und natürlich ist er bemüht auch etwas ausgefallenere Varianten anzubieten. Differenzierung ist eben alles. Besonders gut gefallen hat uns, dass von der drei Schokoladesorten eine mit Chili und Kardamon dabei war. Die Angestellte bestand darauf, dass wir diese zuerst kosten sollten, bevor wir sie bestellten, denn es geht um Kundenzufriedenheit und nicht nur um Exotik.

Esidiele Avalon

Gerne wünschten wir uns mehr solcher löblicher Beispiele, besonderer Gastronomie und beständiger Qualität. Besonders weil sie auf den Traditionen aufbaut und sie weiterentwickelt.

Eine kleine Randnotiz noch zu guter letzt. Wer erinnert sich noch an die Episode „Friedensplatz“? Ich finde es gut, dass die Gemeinde mit diesem Schild gegen das Vergessen ankämpft. Meiner Meinung nach ein Vorkommnis dessen wir uns immer noch schämen sollten.

Siegesplatz



Fußnoten

  1. es sind keine Tapas, wir sind nicht in Spanien...torna


kein alkoholAlkohol ist in aller Munde – nicht nur sprichwörtlich. Und nicht erst seit den neuen Verschärften Bestimmungen bezüglich „Alkohol am Steuer“ wird viel über den Alkoholkonsum diskutiert. Es werden auch schon fleißig Internetseiten eingerichtet, siehe www.promille.it, auf denen anscheinend eine Diskussion stattfindet. In Wirklichkeit sind das nur Seiten auf denen Gegner dieses Gesetzes ihren Unmut kundtun. Andersgläubige werden mit Totschlagargumenten niedergemacht. Da verwundert auch nicht das Ergebnis der Umfragen. Ich möchte hier nun als Auftakt ein paar Situationen schildern, welche ich selbst erlebt habe oder zugetragen wurden, die ein erschreckendes Bild zeichnen. Man bekommt nicht schlecht Lust nach vermehrten Alkoholkontrollen unter Tags zu verlangen. Das heutige Thema – Morgens in Südtirol:

Szene 1 – 9:30 Uhr irgendwo in einer Bar
Eine Gruppe Handwerker kommt herein, sie machen Pause. Einer bestellt einen Kaffe, einer ein Mineralwasser, drei weitere ein Bier. Es kommt ein Bekannter des Wassertrinkers herein und grüßt freundlich die ganze Truppe. Es kommt zu folgendem Gespräch (eingedeutscht):

Bekannter: „Na sieht man Dich auch mal wieder. Komm ich geb einen aus. Hast du schon bestellt?“
Wassertrinker: „Ja, danke ich trink ein Wasser.“
Bekannter:“Jetzt hör mal, ich zahl dir aber nur was ordentliches. Wer trinkt den schon Wasser!“
Wassertrinker: „Ja ok, dann nehm ich doch ein Bier.“
Bekannter: „ So gefällst Du mir schon besser“

 

Szene 2 – 8:03 Uhr eine Bar neben einer Hauptverkehrsstraße
In der Bar werden neben Getränken und Speisen auch Tabakwaren angeboten und ist deshalb ein beliebter Stopp. Der Tresen ist voll, ein Fahrer einer Spedition kommt herein.

Fahrer: „Einen Espresso Corretto Vecchia!“ -> Sprich einen Kaffee mit Vecchia Romagna (38% Alkoholgehalt)

 

Szene 3 –Das Südtirol 1 Gewinnspiel
Vor einigen Jahren hat die Radiostation Südtirol 1 ein Gewinnspiel veranstaltet. Ein Reporter ging in eine Bar und stellte einem Kunden eine einfache Frage. Wenn der Kunde die Frage richtig beantwortete bekam das ganze Lokal eine Lokalrunde des Getränks das dieser Kunde gerade Trank. Das ganze wurde Live übertragen und oft genug gab es Vormittags Gratis-Bierrunden.

 

Szene 4 – 7:03 Uhr Neuland Tages-Cafe
Eine Freundin von mir hat vor einigen Jahren ein Tages-Cafe übernommen, welches schon um 7 Uhr aufmacht. Jahrelang hatte sie nur in Gastbetrieben gearbeitet welche Abends geöffnet hatten. Nach ein paar Tagen berichtet sie erschüttert über die große Anzahl an Leuten, vor allem Männern, welche schon in Allerherrgottsfrüh Superalkohol konsumieren. „Der Gipfel “, meint sie „war, als um 7 Uhr als ich aufsperren will, schon einer draußen wartet, damit er einen Cinar trinken kann.“ Na dann Prost.

Im nächsten Teil wollen wir ein wenig Hilfestellung all jenen geben, welche auf die dummen Behauptungen keine richtige Antwort wissen. Wir bringen die Hitparade der dümmsten Sprüche der „Alkohol in jeder Lebenslage“-Fraktion und wie man zumindest nicht sprachlos.

Foto von augschburger