Immer wieder kann man lesen, dass die Tourismustreibenden auf den hochwertigen Besucher setzen sollen. Die Qualität soll stimmen und die Schnäppchenjäger sollen nach Mallorca fliegen. Der Massentourismus soll eingedämmt werden, die Busse voll mit Ich-Schmier-Mir-Mein-Mittag-Am-Frühstückstisch-Gäste sollen gutbetuchten und kultivierten Ich-Lass-Es-Mir-Gutgehen weichen. Da müssen die Rahmenbedingungen auch stimmen. Da muss Kultur her.

Maria JoaoIn den letzten Jahren hat sich auch einiges getan. Ein Beispiel dafür sind die Meraner Musikwochen. Die gibt es schon eine ganze Weile und die Qualität muss sich hinter anderen vergleichbaren Veranstaltungen in ganz Europa nicht verstecken. Dieses Jahr waren The Netherland Philharmonic Orchestra, das Russian National Orchestra, das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Royal Philharmonic Orchestra London und Thomas Quasthoff & Maria Joao um einige zu nennen dabei. Da würden man meinen, dass unsere SMG sicher auch Ihre Hände im Spiel hat. Der Vermarktungswert ist ja nicht unerheblich. Das Land wird sicherlich auch als Sponsor auftreten, den Glamour der Hochkultur aufsaugen. Aber nein, die Wirtschaft sponsert das Festival. Allen voran eine Bank und ein deutscher Autohersteller.

Ok, man könnte meinen, dass die Südtiroler Landesregierung keine internationalen Musik-Events finanzieren will. Aber weit gefehlt, wie wir in einer offiziellen Pressemitteilung vom 10. September lesen können:

GRAND PRIX DER VOLKSMUSIK
Angesichts der Finanzknappheit des Senders Bozen der Rai wird das Land in die Bresche springen, um die Ausstrahlung des Grand Prix’ der Volksmusik aus Südtirol im Jahre 2009 zu ermöglichen. “Über unsere Haushaltskapitel Fremdenverkehr und Marke werden wir 150.000 bis 180.000 Euro zur Verfügung stellen, um die 200.000 bis 220.000 Euro teure Veranstaltung mitzufinanzieren”, so der Landeshauptmann. Ausschlaggebend für die Entscheidung war die Werbewirksamkeit der Sendung, die von Millionen Zuschauern in Österreich, der Schweiz, Deutschland und Südtirol verfolgt wird.

Werbewirksam wird die Sendung schon sein, und die Reichweite ist auch beachtlich, wenn man sonstige Werbeausgaben im Fernsehen betrachtet. Aber ist das die Zielgruppe die wir uns wünschen? Ich will ja nicht die Liebhaber der Volkstümlichen Musik verunglimpfen, aber wenn wir von dem Heile Welt, Schatz Putzi Mausi Image weg wollen müssen wir auch dementsprechend auftreten.



Brumm BrummWer kennt nicht den Ausspruch „Die Blechlawine ist ins stocken gekommen.“ wenn mal wieder vom Stau auf der Autobahn die Rede ist. Eine besondere Abart dieser Blechlawine findet alle Jahre wieder nach Südtirol und in die benachbarten Provinzen – die Oldtimer-Lawine. Gab es früher nur die Mille Miglia die mit historischen Gefährten über die Alpenpässe tuckerte, gibt es jetzt eine Reihe von anderen Veranstaltungen auf denen die mit viel Liebe, und noch viel mehr Geld, lauffähig gehaltenen Karossen, von ihren betuchten Herrschaften durch die Gegend kutschiert werden. Der hier abgelichtete Oldtimer-Zug ist von Deutschland aus gestartet und organisiert wie sie sind, haben sie das Pannenfahrzeug gleich mitgebracht. Nicht dass es nicht ein interessanter Anblick ist, diese Zeugen einer anderen Zeit zu sehen, aber bei der Menge der Treffen zwängen sich doch einige Gedanken auf.

 

Gelber EngelIm Winter dürften diese Motorkutschen kaum durch unsere Städte fahren, sie sind ja sicher noch Euro 0, aber im Sommer gibt es keinen Feinstaub und deswegen ist das auch egal. Das Mendelrennen wurde verboten, aus Umweltgründen, da plädiere ich doch auch dafür, dass diese Oldtimer-Rennen verboten werden, außer sie montieren einen Katalysator.

 

Stau bei der AusfahrtDa fällt mir ein, letztes Jahr war Südtirol der Schauplatz einer großen Audi-Sause. Ich weiss nicht wieviele Journalisten da waren, aber sicher ein paar hundert, welche auf den vielen Q7 und anderen bereitgestellten Modellen zig-tausend Kilometer in unserer schönen Landschaft verfahren haben. Ich will nicht kleinlich sein, aber da hat keiner auch nur einen Euro abgedrückt um die Straßen und die Umwelt zu erhalten. Und kommt mir nicht mit, das kommt über die Steuern, welche die Gastronomie bezahlt für diese Gäste. Da will ich doch unterscheiden, zwischen einem Gast der zum Wandern kommt und das Auto auch ein paar Tage stehen lässt und einem, der herkommt um den ganzen Tag mit dem Auto (oder Motorrad) durch die Gegend kurvt.