12 Feb 2008
Es herrscht Renovierungswut. Die größte Einzelhandelskette für Lebensmittel in Südtirol hat in den letzen beiden Jahren ordentlich investiert. Es wurden neue Einkaufstempel errichtet, aber auch ältere Großraumgeschäfte wurden aufpoliert. Ihnen allen gemein sind die Optik und die scheinbar gewollte Verwirrung der Kunden.
Architektur kann viel vermitteln – die neuen Interspar von Bruneck, Bozen und Meran sollen wahrscheinlich Transparenz, Modernität, Offenheit usw. transportieren. Wen kümmert es, wenn sie auch ein Flugzeugterminal oder ein Autohändler beherbergen könnten. Individualität war noch nie eine Stärke von Lebensmittelgeschäften aber die neuesten Entwicklungen verbreiten eine Atmosphäre zwischen Lagerhalle und Hotellobby.
Der Freie Blick suggeriert dass man sich im Einkaufsschlaraffenland frei bewegen kann, die Holzdekore und Theken sollen eine Gemütlichkeit und somit eine Vertrauensvolle Verkaufssituation suggerieren. Diese intime Freiheit hat aber ein jähes Ende wenn man in das Geschäft begibt.
Man muss z.B. in Meran in den ersten Stock. Die meisten Lebensmittel (aber nicht alle) sind im Erdgeschoss, man darf dort aber nicht einfach hineingehen. Über ein Laufband wird man praktisch genötigt sich zwischen Autoreifen und Stereoanlage, Bekleidung und allerhand anderem durchzulaufen um wieder ein Laufband zu betreten das einen gemächlich ins Erdgeschoss bringt. Erschwerend kommt dazu dass es keinen freien Blick gibt, geschweige denn einen geraden Weg. Im Erdgeschoss ist es nicht besser. Man irrt umher in der Suche nach dem Nötigsten, das geschickt weit entfernt platziert ist.
Der Grund ist natürlich einleuchtend. Man soll soviel Zeit wie möglich im Geschäft verbringen. Die alte Taktik, die Milch und andere täglich benötigten Produkte in den hintersten Teil der Verkaufsfläche zu platzieren, damit der Kunde zumindest einmal das ganze Geschäft durchquert ist inzwischen durchschaut und deshalb hat die neue Taktik „weit weit weg“ Einzug gehalten. So wird ein einfaches Brot und Milch holen zum Spießrutenlauf der mit nicht weniger als 30 Minuten bestraft wird.
Ein weiteres Manko ist die scheinbar große Auswahl. Die riesigen Regale sind oft meterweise mit derselben Ware vollgestopft. Auch dem klassischen Ponte-Sturm, also dem Regale-leerkaufen vor einem langen Wochenende, halten diese Theken stand. Nur Milch und Brot, die sind auch an einem normalen Samstagnachmittag schon alle.
Denn man muss sich immer vor Augen halten. Diese Geschäfte sind nicht für uns gebaut worden, sondern für den Umsatz des Unternehmens. Deswegen gilt es wieder eine alte Tradition aufleben zu lassen, den Einkaufszettel. Damit man auch nur das kauft, was man wirklich braucht.