Das Leitbild – ein schönes Unwort

Wie uns die Wikipedia lehrt, hat sich das Leitbild über die Städteplanung von der Psychologie bis hin zu einem gesellschaftlichen Wertekonsens gemausert. In der Wirtschaft gelangte es zu etwas Ruhm, aber zu wenig Ehre. Viele vermischten die Konzepte Mission mit Leitbild, mit Vision und Strategie. Ein großes Durcheinander. Dementsprechend unwirksam waren diese Leitbilder auch. Und überheblich daher kamen die meisten sowieso.

Noch schlimmer wird es wenn Institutionen mit dem Leitbild herumbasteln. Die Gemeinde Innichen will jetzt auch ein Leitbild gestalten und lädt zu Gesprächsrunden ein. Sogar eine Powerpoint Präsentation kann man sich herunterladen um sich vorzubereiten. Aber wer wird hier mitmachen? Wer kann wirklich Einfluss über die Inhalte welche aufgenommen werden ausüben? Und noch wichtiger, wer hält sich später daran?.

Ein negatives Beispiel für eine solche Aktion ist das “Leitbild Meran“. Vor einigen Jahren von engagierten Unternehmen ins Leben gerufen, die öffentliche Hand war nicht gewillt mitzuspielen, kam es zu einigen Treffen. Es wurden Leitsätze verabschiedet, eine nette Broschüre gemacht und diese allen Bürgern der Stadt zugestellt. Dann gab es noch ein wenig Presseecho und das war es dann. Keiner hat sich mehr darum gekümmert. Der kleine Werbeeffekt war verklungen und sonst wollte sich auch niemand so wirklich darauf festlegen. Die vorgestellten Ansatzpunkte sind viel zu viele und manche gleichem dem leerem Gerede mancher Politiker. Man könnte es in die schon überlasteten Begriffe “schlanke Verwaltung”, “Synergien nutzen”, “bessere Lebensqualität”, “gestärkte Wirtschaft” zusammenfassen.

Ist das Leitbild also der falsche Rahmen? Ein Leitbild muss, um als solches zu funktionieren, einen weiten Bogen spannen. Es ist also für Gemeinden und Institutionen nicht das richtige Werkzeug. Es gibtzu viel Spielraum und Interpretationsmöglichkeiten . Der Bürger wünscht sich vielmehr konkrete Ziele, an denen sich die Leistungen der Politik messen lassen. Die öffentliche Hand sollte nicht nur einzelne Werkzeuge aus der Unternehmensführung unternehmen, sonder wenn schon das ganze Paket, dann wären nämlich eine Strategie (eine langfristige) auch mit dabei. Und Strategielosigkeit ist wohl eine der verbreitetsten Übel.

written by

The author didn‘t add any Information to his profile yet.
Related Posts
  • Herbert

    Es geht wohl mehr darum, überhaupt ein “schickes Leitbild” zu haben. Ob das dann auch umgesetzt wird, ist erstmal nicht so wichtig …

  • Herbert

    Es geht wohl mehr darum, überhaupt ein “schickes Leitbild” zu haben. Ob das dann auch umgesetzt wird, ist erstmal nicht so wichtig …

  • Knoedel-Admin

    Ich glaube dass wir über die Phase des “schick” schon hinweg sind. Viele dieser Bemühungen kommen eher aus einem Bedürfnis. Die Komplexität (auch bei Gemeinden) hat sich enorm gesteigert und viele möchten zumindest dass alle in die gleiche Richtung blicken und in die gleiche Richtung arbeiten. Dass dann jeder meint, das seine Richtung diejenige sein sollte, welche es einzuschlagen gilt ist ein anderes Thema.

  • Knoedel-Admin

    Ich glaube dass wir über die Phase des “schick” schon hinweg sind. Viele dieser Bemühungen kommen eher aus einem Bedürfnis. Die Komplexität (auch bei Gemeinden) hat sich enorm gesteigert und viele möchten zumindest dass alle in die gleiche Richtung blicken und in die gleiche Richtung arbeiten. Dass dann jeder meint, das seine Richtung diejenige sein sollte, welche es einzuschlagen gilt ist ein anderes Thema.