Soziales




titel zahlenDas Landesinstitut für Statistik hat letzte Woche die Broschüre “Jugend in Zahlen - 2006” veröffentlicht. Es gibt einen ganz guten Überblick. Gut finde ich, dass die heißen Themen gleich mal zuletzt angegangen wurden, das Rauchen und der Alkohol bei Jugendlichen. Sie kommen gleich nach der Strukturellen Analyse, also der Auflistung wie sich die Jugend in Südtirol zusammensetzt. Interessant finde ich bei der ersten Analyse, dass sich der Trend fortsetzt, dass es mehr Männer (oderJungs ) als Frauen (Mädchen) gibt. Man hört ja immer noch die weit verbreitete Meinung, dass es mehr Frauen als Männer gibt. Diese Behauptung kommt noch aus der Zeit nach den Weltkriegen, wo die meisten Männer gefallen waren und stimmte heute nur mehr, wenn man das Verhältnis Frauen/Männer über diegesamte Gesellschaft betrachtet. Diese wird insgesamt älter, hier kommt dann der Faktor in Spiel, dass Frauen meistens länger leben als Männer und schon erklärt sich der Überschuss.

Nun aber zurück zur Jugend. Auch wenn ich ein Lob auf die Aktualität der Zusammenstellung der Fragen ausdrücken muss, gibt es auch Lücken. In der folgenden Aufstellung will man herausfinden, was die Jugend so an Alkohol trinkt - Menge je nach Art. Aber was fehlt? Das was am meisten getrunken wird, Liköre und Superalkohol.

Auch werden andere Themen ausgespart. Zum Beispiel wird gefragt ob die Jugendlichen in eineKunstgalerie gehen, nicht aber ob sie auf politischen Kundgebungen waren oder sich sozial Engagieren. Es wird immer darüber gesprochen, dass die Jugend sich nicht für Politik und wenig für Soziales interessiert, aber wenn man die Möglichkeit hätte sie dazu zu befragen wird das nicht gemacht. Ein Versäumnis. Aber auch so ist die Lektüre recht amüsant und einen Blick wert.



Parallel und so
Haben wir in Südtirol eigentlich parallele Gesellschaften. Nicht nur weil die Rechts-Parteien immer wieder populistisch gegen eine Überfremdung mahnen scheint mir dieses Thema eine nähere Betrachtung wert. Leben die deutschen, ladinischen, italienischen Landsleute nebeneinander oder miteinander. Die Saisonsfachkräfte aus Osteuropa darf man auch nicht in diesem Kontext vergessen. Ein aktuelles Thema, tauchen wir ein…
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Tabelle der WertungMit dem Slogan “Südtirol für alle” will ein neues Tourismusportal auf touristische Einrichtungen aufmerksam machen, welche auch für Besucher geeignet sind, welche für “Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen, wie Menschen mit Behinderungen, Menschen im Rollstuhl, ältere Menschen, aber auch beispielsweise Familien mit kleinen Kindern und Kinderwagen”. Das von der sozialen Genossenschaft Indipendent gestartete Projekt ist sehr löblich, doch wie immer stellen sich einige Fragen.

Ist die Barrierefreiheit nicht gesetzlich festgeschrieben? Für die nicht-touristische Wirtschaft ist sie es, da bin ich mir sicher, vielleicht auch im touristischen Sektor - aber nur für Neubauten (wer mehr weiß, darf gern sein Wissen mit uns teilen). Die Klassifizierung “nichtZugänglich” ist wohl kaum von Nutzen, wenn man folgendes auf der Seite liest.

…Die Anmeldung erfolgt in jedem Fall unverbindlich…
…Sollte diese erste Bewertung positiv ausfallen, steht einem Eintrag in Südtirol für alle nichts mehr im Wege…


Was im Klartext bedeutet, dass nur sich freiwillig meldende Betriebe getestet werden, diese es sich dann aber anders überlegen können und auch nur aufgenommen werden, wenn sie bestehen. Also kann man die schlechtesten Kategorie wohl streichen, denn ich kann mir gut vorstellen, dass ein Gastwirt eher nicht im Verzeichnis als “Zugänglichkeit nur mit Hilfestellung” gefunden werden will.

Ob nun ein Verzeichnis von nur “geeigneten” Betrieben auch einen Effekt auf die Verbreiterung des Angebots hat wage ich zu Bezweifeln. Da würden Negativbewertungen schon eher was bewirken. Denn einfach in einem Portal nicht vertreten zu sein ist eine Sache, in einem “schlecht” dargestellt eine andere. Ein Marketingexperte, der Name fällt mir gerade nicht ein, hat folgendes herausgefunden: Eine positive Beurteilung erzählt man 2 Personen, eine negative in 10.



Nein, es geht nicht um die Arbeitnehmer, sondern um Schüler. Nachdem ich schon etwas raus bin befasse ich mich nicht täglich mit diesen Themen, was nicht bedeutet dass sie minder wichtig sind (irgendwann gab es zu meiner Zeit auch schon Vorstöße in diese Richtung). Ich veröffentliche hier eine Anfrage von pattl.com

Es handelt sich um eine Umfrage zum umstrittenen Thema „5-Tagewoche“ in der Schule. Da wir so viel wie möglich Teilnehmer erreichen möchten, bitten wir euch, um einen Link zur Umfrage, da wir bei Erfolg die Ergebnisse gerne an verschiedene Medien senden würden…
Der Grund für die Umfrage ist eigentlich sehr einfach: Die Schüler bzw. Eltern selbst wurden nie gefragt, ob es ihnen Recht ist, dass die 5-Tagewoche eingeführt wird, oder nicht, sondern entschieden hat darüber das Land, und letztendlich die einzelnen Schulen mit ihren Vorsitzenden und Direktoren. Es wäre also interessant zu wissen, was die Südtiroler Gesellschaft dann eigentlich über die 5-Tagewoche denkt.

Hier noch einmal der Link: http://www.pattl.com/?p=250



Anscheinend ist die Sitte zum Kaffee ein Glas Leitungswasser zu spendieren in unseren Breiten nicht sehr geläufig. Seis drum, die italienische Kaffeekultur, der wir ja näher sind, sieht dieses Ritual auch nicht unbedingt vor. Bei Nachfrage sind aber die meisten Gastronomen gerne bereit das Glas Wasser nachzureichen. Umso unverständlicher wird es aber, wenn man bei einem Restauraunt oder Gasthausbesuch auf der Rechnung das Leitungswasser berechnet sieht. Über den Unsinn natürliches Mineralwasser zum Essen zu bestellen will ich gar nicht eingehen, denn nicht nur in Südtirol ist das normale Leitungswasser von guter Qualität und manchmal sogar besser als das Flaschenwasser. Von der Umweltbilanz ganz zu schweigen.

Wenn man nun also sich entscheidet das Bürgermeisterwasser zu trinken erwartet man eigentlich nicht einen saftigen Betrag bezahlen zu müssen. Denn zum einen ist der Preis für das Wasser ja bekannt (1000 Liter kosten weniger als ein Euro) und zum Anderen können die Kosten für die Reinigung des Glases und Personals nicht großartig zu buche schlagen. Da wundert man sich dann schon wenn man für 0,5 Liter 80 Cent bezahlen soll.

Die Begründung des Gastronomen, dass es sich um belebtes Wasser handelt, kann mich auch nicht überzeugen. Man kann an die verbesserten Eigenschaften glauben oder eben nicht. Wenn der Gastronom an die Eigenschaften glaubt, ist es sein gutes Recht, die Kosten dann aber auf dem Kunden abzuwälzen ist aber dann aber schon grenzwertig.

Was bleibt ist ein Gefühl, dass der Kunde über den Tisch gezogen werden soll. Entweder er bestellt sich ein überteuertes Leitungswasser oder er weicht auf andere Getränke aus. Oder aber er ist Konsequent und sagt einfach: „Danke ich trinke nichts.“



Das Bozen erlassene Rauchverbot hat weite Kreise gezogen, aber wenn man sich mal kurz einen Gedanken macht, wer verdient eigentlich am meisten am “Tschiggen”, der Staat und damit die öffentliche Hand, lt. Aussage der autonomen Monopolverwaltung sei die hohe Steuer “Accisa” also eine Fabrikationssteuer als Steuerung zur Reduzierung des Rauchens zu sehen. Ich hab da meine Zweifel aber splitten wir es mal kurz auf. Von dem Geld das ihr eurem “Trafikler” für einen Packen Sargnägel gebt, bleiben ihm mal nur 10 % , 58,5 % gehen als Fabrikationssteuer direkt an den Staat, 17 % Mwst idem , 14,5 % für den Produzenten. Das heisst ca. 75 % des Preises gehen mehr oder weniger direkt an den Staat, der die totale Kontrolle über den Tabakhandel hat, sämtliche Waren kontrolliert usw.
Leider kommt es hier zu einem Interessenkonflikt, einerseit schränkt die öffentliche Hand den Tabakkonsum ein, andererseits profitiert sie glänzend davon. Interessant ist zu wissen, dass Tabaklizenzen sehr eingeschränkt vergeben werden und mit Vorrang an Kriegswitwen, Waisen oder Vertreibene, da sie in dieser Art und Weise wieder eine neue Existenz aufbauen konnten. Darüberhinaus ist die Vergabe noch am Bedarf geregelt, also Väterchen Staat sorgt vor, dass sich die Trafiken nicht gegenseitig das Wasser abgraben. Zusätzlich verkauften diese Betriebe früher auch noch das Chinin, überlebenswichtig vor allem im Süden Italiens, wo früher die Malaria grassierte und wenig Apotheken waren, dafür gab’s aber flächendeckend die Tabaktrafiken.



Rauchen verbotenDas rauchende Kind mit dem Badewasser ausschütten
Kaum zu glauben. Als das Rauchverbot in Bars und Restaurants in Kraft trat hat man darüber gewitzelt, dass man bald auch im Freien nicht mehr rauchen dürfe. Jetzt hat es Bozen geschafft im Sinne des Kinder- und Arbeitsschutzes zu Überteiben und sich gänzlich lächerlich zu machen. Denn die Argumentation für die neuen Verordnung sind ja nicht wirklich durch wissenschaftliche Studien zu untermauern. Wie schon auf Südtirol.ch zu lesen ist kann das auch gegenteilige Wirkungen haben.

Ich will hier nicht einen Aufruf zur Verschwendung von Steuergeldern starten, aber es wäre schon interessant zu sehen, wie die Wissenschaft dein Beitrag des Rauchens im Freien im Verhältnis zu den generellen Umweltbelastungen steht. Besonders in (Zitat)

…öffentlichen Flächen und an Orten, in denen sich Kinder unter 12 und/oder schwangere Frauen aufhalten, in allen Sportstätten, besonders auf Zuschauertribünen und im Publikumsbereich, und bei Veranstaltungen im öffentlichen Raum, wo in der Nähe gegessen und /oder getrunken wird.

Außerdem möchte ich einen Denkanstoß geben. Ein Bar- oder Restaurantbesitzer muss für den Raucherraum eine Abluftanlage einrichten, welche die Belastung des Personals (es geht ja um Arbeitsschutz) auf ein Minimum minimiert. Wenn da dann eine Mutter sitzt mit ihrem Kind ist es dann ok, dass das Kind noch der Rest-Belastung ausgesetzt ist? Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass diese Belastung höher ist, als jene im Freien.



Vor einigen Monaten haben wir eine kleine Umfrage zum Thema Zweisprachigkeitsprüfung gemacht. Die Resultate waren interessant und deshalb haben wir bei der „Dienststelle für die Zwei- und Dreisprachigkeitsprüfungen“ ein paar Nachforschungen angestellt. Wir haben also ein paar Fragen gestellt und Frau Wanda Finocchiaro, Koordinatorin der Dienststelle, hat uns auch einige Antworten geschickt. >>Weiterlesen>>



Alles ist SpracheSo weit musste es kommen, denn dass wir Südtiroler allesamt kein schönes und korrektes Deutsch sprechen ist ja bestens bekannt. Jetzt machen es uns aber unsere italienischsprachigen Mitbürger einmal vor. Nachdem es scheinbar nicht möglich ist, dass diese sudtirolesi bei uns die zweite offizielle Landessprache[A] erlernen, gehen sie nach Deutschland. Zum Beispiel Hermann-Vöchting-Gymnasium Blomberg. Hier kann man lesen:

Für die Verbesserung ihrer Berufschancen brauchen die italienischen Schüler ein Zertifikat der Zweisprachigkeit. Durch den Deutschlandaufenthalt möchten sie sich auf die Deutschprüfung vorbereiten.

Ich begrüße zwar diese Aktion, sehe aber auch dass sich zwei Fragen direkt stellen:

  1. Muss man ins Ausland gehen um eine “fremde” Sprache zu lernen?
  2. Wäre es nicht auch angebracht, dass so manchen Südtiroler mal nach Deutschland geht um korrektes deutsch zu lernen?

Zur ersten Frage, kann man in Bezug auf Deutsch und Südtirol, eindeutig JA sagen. Auch wenn es hier gute Möglichkeiten gibt um die deutsch Sprache zu erlernen, der Umgang mit den deutschsprachigen Mitbürgern findet nicht in Hochdeutsch statt. Bevor sich jemand die Mühe macht korrektes Deutsch zu sprechen, damit man sich verständigen kann, wechselt man ins italienische. Ein gutes Beispiel hat hier Étranger beschrieben. Noch schwieriger wird es, wenn an Stelle der Hochsprache direkt in Dialekt gesprochen werden soll. Es fehlt hierbei nicht nur um Unterrichtsmöglichkeiten, sondern es ist auch vermessen diese von einem Gegenüber zu verlangen.

Die zweite Frage ist also nicht ganz so sinnlos, denn anscheinend haben viele Südtiroler ein Problem mit der deutschen Sprache. Es ist auch für uns eine Art Fremdsprache. Sie wird in der Schule unterrichtet, wir lesen sie täglich und hören sie in Radio und Fernsehen. Trotzdem schämen wir uns sie zu verwenden. Natürlich ist unser Dialekt ein starker Kultureller Bestandteil den wir erhalten müssen, aber es ist durchaus auch angebracht dass wir unsere Amtssprache sprechen. Nicht nur bei “Ämtern”, sondern auch um einen besseren Umgang mit unseren Mitbürgern zu schaffen. Und wenn wir es nicht schaffen diese hier im Landl zu lernen, dann müssen auch wir nach Deutschland um Deutsch zu lernen.



Fußnoten

  1. die Deutsch heißt und nicht deutscher Dialekt...torna


Der liebe Müll ist nicht erst seit den Ereignissen in Neapel ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Die “Termovalorizzatori”, wie sie in Italien gerne genannte werden, scheinen oft als Allheilmittel angepriesen zu werden. Im deutschen Sprachgebrauch ist “Müllverbrennungsanlage” weiter verbreitet und trifft das Thema auch präziser. Denn wenn man etwas verbrennt entstehen Rückstände (Rauch und Asche wie jeder weiß), wenn man etwas “aufwertet” (valorizzare) erwartet man sich nicht dass man weniger herausbekommt, als man hineinsteckt.

Jenseits dieser Namensproblematik ist das Müllproblem sehr komplex. Die Einführung von Mülltrennung usw. dauert nicht nur wegen bürokratischer und politischer Hürden oft lange, auch dasBewußtsein der Bevölkerung trägt dazu bei, das nicht immer das richtige getan wird. Man versucht also das Problem herunterzubrechen und zu vereinfachen, damit es auch alle Verstehen. Und hier passiert dann oft, dass man so vereinfacht, dass es ins eigene Konzept passt. Je nachdem ob man für eine gewisse Strategie ist oder dagegen.

Ein solches Beispiel ist der folgende Film, der anscheinend ein Mitschnitt einer Sendung von Beppe Grillo ist. Da werden dann Zahlen so gekürzt, dass aus 1t Abfall 2t werden und Aussagen aus dem Kontext gerissen. Es werden Recyclingzahlen mit den Zahlen derverbrannten Abfälle zusammengebracht, bei denen man nicht weiß woher sie kommen, noch ob es stimmt, dass die recycelten Abfälle wirklich in der Müllverbrennung landen oder nicht. Außerdem werden zwei komplett unterschiedliche Themen (Klimahaus und Müllverbrennung) zusammengebracht um es reißerischer zu machen. Es fehlt also anSeriösität.

Zu Gute halten können wir aber dem Film, dass er gewisse Denkanstöße gibt. Es wird mehr Transparenz benötigt, damit man die Zusammenhänge erkennt und sich eine neutrale Meinung bilden kann. Wenn man erkennen kann wieviel Müll produziert wird, was damit geschieht und was man damit machen könnte, ist es einfacher gewisse Entscheidungen mitzutragen oder eben nicht. Außerdem eröffnet man so auch den Blick auf alternativen. In Ostdeutschland sind einige Bundesländer z.B. nicht dem “Grünen Punkt”, demMülltrennungsdebakel in Deutschland, beigetreten, sondern haben auf neue Technik gesetzt. Dort wird nichts zu Hause getrennt, sondern automatisch und zentralisiert. Das Resultat, höhere Recyclingquoten und eine günstigere Infrastruktur (mehr zu diesem Thema folgt demnächst).

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